Mythos 3D-Druck nur für Rapid Prototyping?

Jede neue Tech­nolo­gie die gehyped erfährt viel Aufmerk­samkeit online in Kom­bi­na­tion mit gle­ichzeit­iger Kri­tik. Den­noch sieht man schnell welch­er The­men die Zukun­ft beschäfti­gen wer­den, Inter­net of Things (IoT), Vir­tu­al Real­i­ty, 3D print­ing und so weit­er. Das bedeutet jedoch nicht, dass Alle sich die kom­plette Band­bre­ite eines dieser Buzz Wörter vorstellen kann. Mein Ziel an dieser Stelle ist es eure Per­spek­tive an dieser Stelle zu erweit­ern und mit dem Mythos 3D-Druck nur für Rapid Pro­to­typ­ing aufzuräu­men.

Immer wieder höre ich Dinge wie „Naja, mehr als den Pro­to­typen­bau kann ich mir beim 3D-Druck ein­fach nicht vorstellen“. Wir haben bald 2017 und trotz­dem hat jed­er von addi­tiv­er Fer­ti­gung gehört, die wenig­sten ken­nen und ver­ste­hen die kom­plette Band­bre­ite der The­matik. Das ganze ist auch nicht weit­er schlimm, denn schließlich gilt das Selbe für mich im Bezug auf andere The­men wie Aug­ment­ed Real­i­ty oder Big Data.

Mythos 3D-Druck nur für Rapid Protyping?

An dieser Stelle sollte erwäh­nt wer­den, dass dieser, nen­nen wir es Mal Vor­wurf, dur­chaus berechtigt ist. Zu den Anfän­gen der addi­tiv­en Fer­ti­gung durch 3D Sys­tems Grün­der Chuck Hull wur­den haupt­säch­lich Pro­to­typen geschaf­fen, da die Ver­wen­dung von ver­schiede­nen Mate­ri­alien rel­a­tiv eingeschränkt war und qual­i­ta­tive Abstriche bestanden.

Daher wurde der 3D-Druck zu Beginn sein­er Zeit über­wiegend für das Rapid Pro­to­typ­ing genutzt. Der Vorteil darin bestand, dass man keine lan­gen Pro­duk­tio­nen und Wartezeit­en für Tests hat­te, die in der Regel mehrere Wochen dauerten. Nein im Gegen­teil, durch die addi­tive Fer­ti­gung kon­nte die Lieferzeit für den ersten Test­lauf auf 1–2 Wochen reduziert wer­den.

Durch diese Verkürzung sind mehrere Testläufe möglich und das an ein­er Stelle wo man früher ein­fach mit eini­gen Fehlern sich zufrieden stellen musste. Heutzu­tage kön­nen im sel­ben Zeitraum gle­ich 5–6 Pro­duk­te getestet wer­den oder gle­ich mehrere Pro­to­typen auf ein­mal. Denn wo vor eini­gen Jahren immense Kosten pro speziell ange­fer­tigtes Stück bestanden, sind heutzu­tage nur noch kleine Bud­gets nötigt, durch die tech­nisch bed­ingten Vorteile des 3D-Drucks.

Also doch kein Mythos?

Selb­st wenn die Anfänge der addi­tiv­en Fer­ti­gung haupt­säch­lich auf das Rapid Pro­to­typ­ing beschränkt waren, so sind die Anwen­dungs­felder der 3D Tech­nolo­gie mit­tler­weile extrem weit­er gefasst. Im fol­gen­den beschreiben wir kurz einige weit­ere Felder, welche von bes­timmten Vorteilen der Tech­nolo­gie prof­i­tieren. Diese beziehen sich eher auf prak­tis­che Anwen­dun­gen und lassen Dinge wie Möglichkeit­en des far­blichen oder mul­ti­ma­teriellen 3D-Drucks vorne aus.

  1. Leichtmetallbau

    Dieser Bere­ich der addi­tiv­en Fer­ti­gung prof­i­tiert von den flex­i­blen Möglichkeit­en der Bauweise. Durch die Begeben­heit sind kom­plexe Bauteile möglich, welche zum Einen Mate­r­i­al eins­paren und zum Anderen die Sta­bil­ität von Bauteilen erhöhen. Dadurch sind Gewicht­seinsparun­gen von 60–80% eher die Regel als Aus­nahme, inklu­sive Erhöhung von Qual­ität und Sta­bil­ität. Klingt kon­tra intu­itiv? Ist es auch, trotz­dem machen bion­is­che For­men Dies möglich!

  2. Medizinische Anwendungen

    In dieser rel­a­tiv weit gefassten Indus­trie kommt man an viele Punk­te. Einige sprechen sog­ar von 3D Tis­sue Engi­neer­ing und 3D gedruck­ten Tablet­ten. Let­zteres soll ein­fach die spezielle Kon­stel­la­tion von Inhaltsstof­fen bere­it stellen, die ein bes­timmter Patient benötigt. Klingt im ersten Moment wilder als es eigentlich ist, wie mit vielem Anderen auch.

    Was wir an dieser Stelle meinen, das sind pass­ge­naue und indi­vid­u­al­isierte Prothe­sen. Und nein die sind nicht als Pro­to­typen gedacht, um danach „voll­w­er­tige“ Prothe­sen in herkömm­lichen Ver­fahren herzustellen. Diese addi­tiv gefer­tigten Prothe­sen wer­den tat­säch­lich am und im Kun­den ange­set­zt – so viel zum The­ma Mythos 3D-Druck nur für Rapid Pro­to­typ­ing ;). Der Kunde prof­i­tiert ganz groß durch spez­i­fisch angepasste Objek­te für den eige­nen Kör­p­er und immense  Kosteneinsparun­gen. Eine Indus­trie die bere­its kom­plett vom 3D-Druck dis­rupt­ed wurde sind Hörg­eräte.

  3. Raum- und Luftfahrt:

    Ein let­ztes Beispiel um mit dem Mythos 3D-Druck nur für Rapid Pro­to­typ­ing vol­lkom­men abzuschließen sind Anwen­dung in Luft- und Raum­fahrt. Hier­mit sind wed­er die Erforschun­gen vom Plan­eten Mars gemeint, noch die Nutzung von Essen 3D-Druck­ern der NASA.

    Wir meinen vielmehr die Ver­wen­dung von sehr speziellen Bauteilen in den eigentlichen Flu­gob­jek­ten. Ich kann jet­zt schon den einen oder anderen aufzuck­en spüren, „Was in meinem Flugzeug sind 3D gedruck­te Objek­te ver­baut?“. Keine Sorge, das sind keine Plas­tik­teile, son­dern aus passen­dem Mate­r­i­al und genau oder noch sta­bil­er als tra­di­tionelle Objek­te.

    Der Vorteil für Flugzeugher­steller wie Lufthansa ist die ein­fache Her­stel­lung von sehr speziellen Bauteilen. Um das kom­plette Flugzeug sind durch die ein­ma­lige Form unter­schiedliche Winkel der Wände vorhan­den. Deshalb benötigt jede Mas­chine vom gle­ichen Bauteil 100 unter­schiedliche und leicht angepasste For­men.

Fazit zum Mythos

Der Mythos 3D-Druck nur für Rapid Pro­to­typ­ing kann somit teil­weise bestätigt wer­den. Nicht weil er voll und ganz richtig ist, son­dern der Ursprung im addi­tiv­en Fer­ti­gen aus dem Rapid Pro­to­typ­ing entsprang. Wie die Beispiele zeigen kann man sagen, dass der 3D-Druck mit­tler­weile für weitaus mehr einzuset­zen ist als nur den Bau von Pro­to­typen.

Wie erwäh­nt kön­nen sich selb­st Experten kaum aus­malen wohin sich die 3D Tech­nolo­gie noch entwick­eln oder uns ermöglichen wird. Der Weg ab vom Rapid Pro­to­typ­ing ist die Zukun­ft der addi­tiv­en Fer­ti­gung und das eigentlich Poten­tial. Was aber nicht heißt, dass man das bewährte Sys­tem mit 3D-Druck Pro­to­typen aufgeben braucht. Außer es find­et sich etwas noch besseres als 3D print­ing 😉

Möcht­est du den Post teilen oder pin­nen?
Posted in Anwendungsbereiche and tagged , , , , , , , , , , .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.